Der Deutsche Arbeiter Abstinenten
Bund (DAAB)


Arbeiter Abstinenten-Bund (AAB) (sozialistische Abstinenz- und Anti-Alkohol-Bewegung in Deutschland (seit 1903), Österreich und der Schweiz)

(siehe auch Artikel zum DAAB)

Karte 1914: vergrössern

Deutscher Arbeiter-Abstinentenbund: Die Karte zeigt einen führenden Genossen des DAAB mit einer fiktiven Beitrittserklärung: „Lieber Genosse Nagel! Vielleicht kann mein Beispiel Gutes wirken. Ich bitte Sie deshalb, mich in die Mitgliederliste des Arbeiter-Abstinentenbundes aufzunehmen. Ohne den Kampf gegen den Alkoholismus giebt es keinen Sieg der Demokratie und des Sozialismus. Ich ziehe daraus natürlich auch die (?) Konsequenzen. Ihr freundlich grüßender …“

Postalisch nicht gelaufen; Beitrittserklärung vom Mai 1914.

Postkarte 1909: Karte vom DAAB

Brombeerranken und Gedicht „Wir lieben die Freuden der reinen Frucht – Wir meiden das berauschende Gärungsprodukt“ Mit diesem holprigen Verslein gibt sich der DAAB noch deutlich bedeckt und politisch zurückhaltend. Geradezu zaghaft bezichtigt man sich der „Vermeidung“ des Rauschtranks, von kompromissloser Abstinenz ist hier nichts zu lesen und vom Kampf für den Sozialismus spricht erst recht (noch) keiner.

Postal. am 18.12.09 befördert.

Karte 1927: vergrössern

August Forel; schweizerischer Nervenarzt, Leiter mehrerer psychiatrischer Krankenhäuser, bzw. Heilanstalten. Entwickelte als erster Mediziner spezielle Behandlungsmethoden für Alkoholkranke unter Mitwirkung von trockenen Alkoholikern. Politisch sozialistisch und antireligiös orientiert, ging er von einem eindeutigen Zusammenhang zwischen sozialer Verelendung und Alkoholmissbrauch aus. Anhänger von rassehygienischem Gedankengut und der Eugenik, Lehre von der Vererbung gesundheitsschädigender Verhaltensweisen wie z.b. Alkoholismus. F. gehörte zunächst dem Guttemplerorden an, von dem er sich aber wegen dessen christlicher Einstellung trennte und den Neutralen Guttempler-Orden (s.u.) gründete. F. war kein Mitglied des DAAB unterstützte aber eine sozialistisch orientierte Gesellschaftsordnung. Karte postal. gelaufen 1927.

Postkarte 1910: "Arbeiter! meidet den Schnaps!"

„Arbeiter meidet den Schnaps!“ Mit dieser Karte zeigte der DAAB unmissverständlich, dass es sein Ziel war, jeden Arbeiter für die Abstinenz zu gewinnen; ein nicht durchsetzbares Unterfangen. In der Realität konnte der DAAB selbst unter den organisierten Arbeitern nur einen Bruchteil der SPD-Mitglieder gewinnen. Karte zum SPD-Parteitag 1909 herausgegeben; eine vom DAAB vorgeschlagene Resolution den Kampf gegen den Alkohol insgesamt zu unterstützen, fand keine Mehrheit. Immerhin gab es einen Beschluss sich für einen Branntweinboykott auszusprechen.1

Nicht gelaufen.

Postkarte ca. 1910: vergrössern

a)+b) Alkohol schadet nicht allein dem Trinker, sondern der ganzen Familie! Diese Erkenntnis wird hier in simplen, aber dennoch einprägsamen Bildern demonstriert. Diese Karte wurde vom Arbeiter-Abstinentenbund Österreich, der gemeinsam mit dem Deutschen- und Schweizerischen Arbeiter-Abstinentenbund eine ähnliche Politik verfolgte (vergl. auch das Kapitel zum DAAB), herausgegeben.

Postkarte ca. 1910: vergrössern

Interessant an dieser AK ist, dass sie auch vom Bund abstinenter Frauen in Österreich, verbreitet wurde, allerdings mit einer anderen Textunterschrift. Während die Karte des männlich geprägten Bundes auf die Zerstörungskraft des Alkohol hinweist und wahre Lebensfreude nur durch Abstinenz erreichbar sei, appelliert der Frauenbund an die Ehre des „ganzen Mannes“ „Mitlaufen, Mitsaufen kann jedermann; Nein-Sagen kann nur ein ganzer Mann.“

Postkarte ca. 1904: vergrössern

„Führe uns nicht in Versuchung“

Auch diese Karte (nicht von DAAB) gehört thematisch zu den beiden vorangegangenen und zeigt den Alkoholismus erneut als Geißel für die Familien. Hier allerdings unter einem deutlich christlichen Vorzeichen – mit einer Zeile aus dem Vaterunser und dem archaischen Bild von der Versuchung im Paradies. Nur das der Alkohol hier an die Stelle des Apfels als reizvolle Verlockung getreten ist.

Karte nicht gelaufen, vor 1905, Österreich und Deutschland.

Postkarte: vergrössern

Firmung.

Nicht einmal vor den Kindern machten die unseligen Trinksitten Halt. Hier nimmt der Trinkzwang besonders perfide Ausmaße an. Karte des ÖAAB, nicht gelaufen)

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1) „Etwas überraschend kam der Beschluss des Branntweinboykotts…Die Arbeiterbewegung kann jedenfalls nur gewinnen, wenn wir die Schnapspest aus der deutschen Arbeiterfamilie bannen helfen...“ Robert Schmidt: Die Ergebnisse des Leipziger Parteitages, in: Sozialistische Monatshefte von 1909 Heft 19/20. Immerhin war der Beschluss endlich ein greifbares Ergebnis nach einer vor allem durch Kautsky und Bebel hervorgerufenen, jahrzehntelangen Gleichgültigkeit in der SPD dem Alkoholproblem gegenüber („…nach meiner Ansicht haben wir als Partei die Alkoholfrage nicht zu erörtern. (…) Wir dürfen die Parteitätigkeit nicht in Kleinkram verzetteln.“, August Bebel auf dem Parteitag 1899