Anti-Alkohol-Karten


Die Anti-Alkohol-Karten, die organisations- oder parteipolitisch nicht zuzuordnen sind:

Postkarte 1918: Karte vergrössern

Eine „Künstler-Karte“ gegen den Alkohol (es gab zahlreiche Bildnisse von bekannten zeitgenössischen Künstlern, die sich mit dem Problem des Alkoholmissbrauchs auf eindrucksvolle Weise auseinandergesetzt haben; Picasso, Nolde und Kirchner zählten dazu) Diese Karte zeigt unmissverständlich die tödliche Gefahr, die vom Alkohol ausgeht, aber dabei zunächst für den Konsumenten nicht spürbar wird. Der Tod bleibt im Hintergrund, das künstlich erzeugte Gefühl des Glücks aber veranlasst die Trinkerin weiter zu trinken. Auf dem Tisch stehen dabei lauter – auch heute noch – exquisite und teure Spirituosen (Cointreau, Dom-Cognac, holländischer Genever usw.)

Karte als Feldpost im Mai 1918 aus Wien verschickt.

Postkarte cs. 1915: Karte vergrössern

Österreichische Künstlerkarte „Dämon Alkohol“ mit Anti-Alkoholmotiv das Macht und Bedrohung durch den Tod und einen wirbelsturmartigen Strudel symbolisieren soll. Auf der Rückseite ein Gedicht über den „König Alkohol“ von Adolf Karl Seidl.

AK postal. nicht gelaufen, ca. 1915.

Postkarte 1912: Karte vergrössern

Abstinenz vs. Missbrauch: Selbst der mäßige Trinker bringt es zu einem Berg von – natürlich leeren Bierfässern – und zu nichts sonst, während sein abstinentes Gegenüber ein schmuckes Einfamilienhaus vorweisen kann. Ein durchschnittlicher Angestellter oder gar ein Arbeiter hätte allerdings keine Chance gehabt, ein derartiges Anwesen, selbst bei sparsamster Lebenshaltung, zu erwerben. Die Abstinenzbewegung arbeitete allerdings gerne mit solchen eingängig-bildhaften Beispielen, die einmal mehr an die Vernunft der Menschen appellierten. Das die Vernunft bei Menschen mit Alkoholproblemen nicht zählt und somit gerade Teil des Problems ist, wollten oder konnten die Abstinenzverfechter nicht nachvollziehen.

Karte nicht gelaufen, ca. 1920

Postkarte 1923: Karte vergrössern

Riesenbierfass: Die bildliche Abschreckung der gewaltigen, vertrunkenen Alkoholmengen soll auch auf dieser Karte der Forderung „Trink keinen Alkohol“ Nachdruck verleihen. Wenn der Betrachter der Karte sich einmal ernsthaft die Frage durch den Kopf gehen ließe, „Welches Kapital jeder Biertrinker jährlich sich und seiner Familie erhalten (könnte)“, müsste auch er zu dem gleichen Ergebnis wie auf dieser Karte kommen: „Jeder weit blickende Mensch meidet und bekämpft den Alkohol und schließt sich einem Abstinenzverein an“.

Karte am 14. Juni 1923 versendet vom Verband der Vereine für Naturheilkunde, Gesundheitspflege und Selbstreform

Postkarte 1920: Karte vergrössern

„Wodka sein liebster Feind“ Diese, mit „Genehmigung des Generalkommandos des I. Armee Korps“, ebenfalls als Feldpost verschickte Karte, greift erneut das Symbol des Drachentöters, des Ritters St. Georg auf. Dieser hat aber inzwischen – offensichtlich durch die Wirkung des Alkohols – deutlich an kämpferischer Entschlossenheit eingebüsst.

Karte im März 1918 postal. gelaufen

Postkarte 1910: Karte vergrössern

„Für `n Sechser Cholera“ Diese Karte ironisiert den „Einfallsreichtum“ der Alkoholfreunde für ihre Vorlieben. Vor dem Hintergrund der heftigen Kämpfe internationaler und deutscher Alkoholgegner ging während der zahlreichen Epidemien des 19. Jahrhunderts das Gerücht um, woran vermutlich sogar einige „Mediziner“ nicht ganz unschuldig waren, dass hochprozentiger Alkohol vor Cholera schützen würde. Allerdings war damit nur die äußerliche Anwendung als Desinfektionsmittel gemeint. Und so wurde der Vers „Obladi, oblada, Schnaps ist gut für Cholera!“ zu einem Gassenhauer und Werbeträger für Hochprozentiges. Doch nicht nur das Motiv der Karte ist interessant: die als Apothekerin stilisierte Kneipenwirtin schenkt ihr „Heilwasser“ aus der typischen, holländischen Geneverflasche ins Glas und die Zeichnungen erinnert erkennbar an die der holländischen Antialkohol-Karten. Auch der Text des Absenders aufschlussreich: „Mensch Else, der Cognac in Deinem Schnapsladen schmeckt doch gar nicht gut. Verbessere (!) Dir oder Du verlierst die gute Kundschaft. Vor allem ist die Hauptsache, das Morbus mang ist (Morbus latein. Krankheit) Also zum nächsten Laden mehr Kurerfolge. Ein Stammgast“; Als Absender gibt sich eine mit einigen Schnapsgläsern verzierte Schnaps G.m.b.H. zu erkennen. Und bei der Apothekerfrau soll es sich um eine gewissen Else Teske handeln, die im Etablissement „Ostseeterrasse“, in Heringsdorf, ihre Kurgäste offenbar mit einem als Cognac deklarierten Fusel beglückt. Es ist äußerst selten, dass sich eine so originelle Bezugnahme des Absenders auf das Kartenmotiv und die Adressantin findet.

Karte postl. gelaufen um ca. 1910.

Postkarte 1926: Karte vergrössern

Dass Krankheit und Tod dem Säufer ständige Begleiter sind zeigt diese Werbe-Karte für eine bekannte Prager-Kneipe. Der Trinker lässt sich allerdings vom Tod nicht Bange machen, sondern weist ihn mit den Worten zurück: „In dieser Kneipe bin ich willkommen, und falls der Tod kommt, um meinem Trunke Einhalt zu gebieten, so sage ich ihm. Mein lieber Tod, bevor ich verblasse, trinke ich noch einen!“ Obwohl es sich hier um eine Werbekarte für eine Gastwirtschaft handelt, wird die tödliche Konsequenz des übermäßigen Trinkens deutlich dargestellt.

Karte postal. nach Pilsen (!) gelaufen, Prag 9. 3. 1926

Postkarte 1950-er: Karte vergrössern

Eine ähnliche (unfreiwillige) Doppelbotschaft wird auf dieser Werbe-Karte für den Ahr-Wein erkennbar. Das Motto lautet, wer einmal diesen Wein gekostet, der lässt vor Begeisterung für diesen Tropfen jeden anderen fahren. Der Grund dafür liegt an den kleinen roten Teufeln, die einem nach entsprechendem Ahr-Weingenuss ins Herz hinein tanzen. Und das sei die Gefahr an der Ahr, die Gefahr an der Ahr. Das man am nächsten Morgen ohne Gedächtnis erwacht und nichts mehr vom gestrigen Tag weiß, geschweige denn, wo man gesoffen hat, zählt der Verfasser dieses Liedchens allerdings nicht zu den Gefahren. Im Gegenteil, erst das sei der echte Beweis dafür, dass man an der Ahr gewesen sei und „viele Gläser geleert“ habe.

Karte nicht gelaufen; 1950er Jahre (?)

Postkarte 1920: "Tut Dir auch das Trinken wohl, der Teufel sitzt im Alkohol!" Karte vergrössern

„Tut Dir auch das Trinken wohl, der Teufel sitzt im Alkohol“ Ein treffsichere Zusammenfassung der alkoholischen Ambivalenz: wieder einmal muss der Teufel als der Verführungskünstler herhalten, der die Trinker mit den angenehmen Wohltaten der alkoholischen Entspannung ködert, um sie dann nicht mehr loszulassen. Die wissenschaftlich längst überholte Auffassung vom Alkoholtrinken als sündhaften Verhalten hat sich nicht nur bei christlichen Abstinenzorganisationen (z.B. Blaues Kreuz), sondern selbst bei einem A. Forel in übertragenem Sinn erhalten.(Karte nicht gelaufen, nach 1905) Da zeigt die nächste Karte schon deutlicher, worauf es ankommt: auf das menschliche Verhalten unter Alkoholeinfluss:

Postkarte 1914: "Ach wie gemüthlich Ist doch die Sauferei, Am Bier thut man sich gütlich, Dann kommt die 'Rauferei'!" Karte vergrössern

„Rauferei“ „Ach wie gemütlich, ist doch die Sauferei, am Bier tut man sich gütlich, dann kommt die Rauferei.“ Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen.

Karte nicht gelaufen, vor 1905.

Postkarte 1925"Als ein ganz großer Lidrian wirst du noch ganz verderben. Und wirst, als treuer Saufcumpan im Säuferwahnsinn sterben." : Karte vergrössern

Warnung vor dem Delirium: „Als ein ganz großer Lidrian wirst Du noch ganz verderben, und wirst als treuer Saufkumpan im Säuferwahnsinn sterben“: Interessant an der Motivwahl des Säufers ist, dass es sich hier offensichtlich um einen Angehörigen der Oberschicht handelt: gestreifte Hose, kariertes Wolljacket, weißer Stehkragen und Zylinder (Symbol des gehobenen Bürgertums). In der Regel sind es die proletarischen Vertreter, Bauern oder die unteren Bürgerschichten, die mit dem traurigen Finale des Alkoholikers, dem „Rinnstein“, assoziiert werden.

(Karte nicht gelaufen, ca. 1910 und später)

Typisch für diese Motivwahl ist die nächste Karte:

Postkarte 1925: "Du bist gehörig abgerissen. Die Kleider hängen bald in Fetzen. Ich glaube gar Du überlegst, was jetzt Du könnst versetzen." Karte vergrössern

Ein Penner:

„Du bist gehörig abgerissen. Die Kleider hängen bald in Fetzen. Ich glaube gar Du überlegst, was jetzt Du könntest wohl versetzen.“

So sieht also das Ende des Alkoholikers aus…

(Karte nicht gelaufen, ca. 1910)

Postkarte 1924: Karte vergrössern

Und ein Tippelbruder: Diese Karte wurde für den Adressanten mit einigen Bemerkungen und Anspielungen in ihrem Sinngehalt verdichtet und zugespitzt: Einem gewissen Paul Andrè wird dringend der §1 des Arbeiter- Abstinentenbundes empfohlen, der da lauten soll: „Ich will mein Geld nicht mehr versaufen und will mir Schnaps und Bier für kaufen.“ Abgesehen von einigen Holperigkeiten im Versmaß ein durchaus nachahmenswerter Neujahrsgruß von dem Absender mit den drei ???. Paul wird gewusst haben, wem er diesen Sylvesterscherz zu verdanken hat. Zumal er noch mit einigen liebenswerten Insekten und einem umgekehrten Hakenkreuz „verfeinert“ wurde.

Karte Postal. gelaufen ca. 1924

Postkarte 1911: "Alcohol fördert den Wohlstand." -aus: die Vorzüge des Alkohols, Künstlerpostkarte - Karte vergrössern

„Die Vorzüge des Alkohols“ Die nächsten beiden Karten bemühen sich mittels paradoxer Botschaften die Betrachter vom Trinken abzuhalten:

Alkohol fördert den Wohlstand!

und

Postkarte 1911: "Betrunkene haben immer Glück!"  -aus: die Vorzüge des Alkohols, Künstlerpostkarte - Karte vergrössern

Betrunkene haben immer Glück!

Künstlerpostkarten aus einer Serie von 6 Stück zum o.e. Thema, ca. um 1905.

Postkarte 1911: "Betrunkene haben immer Glück!"  -aus: die Vorzüge des Alkohols, Künstlerpostkarte - Karte vergrössern

Alkohol = Verkehrsgefahr:

Erneut wird hier mit drastischen Bildern, der Tod serviert die alkoholischen Getränke, für alkoholfreien Verkehr geworben. Abschreckungskarte aus den 1960er Jahren als das Fahren unter Alkoholeinfluss noch als Kavaliersdelikt galt.

Karte nicht gelaufen.