Deutscher Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke (DVgMG)


Deutscher Verein gegen den Missbrauch geistiger Getränke (DVgMG), bürgerliche Mäßigkeitsbewegung, deren freizügige Mitgliedschaft zugleich ihr Problem war. „Wir fordern von unseren Mitgliedern nicht völlige Enthaltsamkeit von Wein, Bier oder Branntwein.“ Das sich selbst Schnapstrinker an den „Bestrebungen gegen den Mißbrauch geistiger Getränke“ beteiligen konnten, lässt berechtigte Zweifel an der Glaubhaftigkeit und dem gewünschten Erfolg dieser Organisation aufkommen. So reduzierten sich denn auch ihre Ziele auf solch ehrenwerte Bestrebungen wie „bessere Anschauungen“ und „bessere Sitten“. Kein Wunder, dass der sächsische Landesverband beklagt, trotz einiger Fortschritte „nach diesen Richtungen“, bleibt „doch das Meiste noch zu tun übrig“.1

Postkarte 1911: Karte vergrössern

„Der Zahltag“ Skulptur von A.Jacopin für den Pariser Salon von 1906 und die Internationale Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911 (Sondergruppe Alkoholismus); das Bild drückt die Not einiger Arbeiterfamilien aus, deren Ernährer nach der Lohnauszahlung erst einmal in die Kneipe ging, um seinem Alkoholismus freien Lauf zu lassen (dieses Motiv wurde auch von anderen Alkoholgegnern gerne zu Propagandazwecken eingesetzt).

Karte nicht gelaufen 1911

Postkarte 1915-20: Karte vergrössern

Schaufenstergestaltung mit Informations- und Propagandamaterial gegen den Alkoholmissbrauch;

Karte ca. 1915-20

Postkarte 1916: Karte vergrössern

Wilhelm II. war – ganz im Gegensatz zur Mehrheit seiner aristokratischen Offizierskollegen – ein erklärter Alkoholgegner, dem die „Lust zum Trinken (als) altes Erbstück der Germanen“ und traditionelles „Übel“ galt, von dem sich Deutschland entschieden zu befreien hatte. Diese kritische Haltung des Kaisers wurde von den bürgerlichen und autoritätshörigen Vertretern des DVgMG deshalb besonders gerne zitiert.

Karte postal. gelaufen Jan. 1916

Postkarte 1915: Adressseite

Abstinente Militärabteilung: Angesichts der fast grenzenlosen soldatischen Neigung für alkoholische Getränke jedweder Art wirkt dieser exklusive Club wie ein Unikum. Es ist kaum anzunehmen, dass es ein erklärter Abstinent lange in dieser Saufgemeinschaft aushalten konnte1. Dennoch wurde von den bürgerlichen Abstinenzgruppierungen immer wieder gerne eine Aussage Wilhelms des II. zitiert, die dieser während des 1. Weltkrieges gemacht haben soll: Nur die Nation wird im Völkerringen siegen, die ihren Alkoholkonsum drastisch zu beschränken in der Lage sei.

Postkarte 1915: Bildseite

Ob diese, deutsche Unfähigkeit der eigentliche Grund für die Kriegsniederlage war, wurde leider von keinem der zahlreichen Erklärungs-Historiker ernsthaft geprüft. Den Zusammenhang von mangelnder militärischer Leistungsfähigkeit und Alkoholkonsum sollte diese Tabelle auf der Karte beweisen: Soldaten, die nicht trinken, werden weniger krank, ist die zentrale Aussage. Ob damit auch die Sterblichkeitsrate auf dem Schlachtfeld nachhaltig verringert wurde, ist allerdings nicht veröffentlicht worden!

Postkarte 1927:vergrössern

Sächsischer Landesverband: Bereits 1884 gegründete Unterorganisation des DVgMG

18. Einladung der sächsischen Landeshauptstelle zur Eröffnung der Ausstellung gegen den Alkoholismus am 12. Mai 1927;

Karte postal. nicht gelaufen.

Postkarte 1910: vergrössern

Sonstige Abstinenzbewegungen:

Im gemeinsamen Kampf – Die Überwindung der Alkohol- und Tabakseuche wäre die größte gemeinsame Tat unseres Volkes!

In Duktus und Wortwahl anknüpfend an die beiden vorherigen Karten weicht das Motiv jedoch gänzlich vom militärisch-chauvinischtischen Ton Wilhelm II. ab: Ausgerechnet zwei Farbige sind es, die den vermeintlich größten Gefahren für das deutschen Volkes die Stirn zeigen! Karte des Vegetarierverbandes Sachsen;

postal. nicht gelaufen, ca. 1910

[1] Einer der Gründer des Blauen Kreuzes, Oberstleutnant von Knobelsdorff, der seine Trinkerlaufbahn im Militärdienst seiner Majestät begonnen hatte, nahm denn auch seinen Abschied, nachdem er sich für die totale Abstinenz entschieden hatte.