Guttempler


Guttempler (I.O.G.T – Independent Order of Good-Templars):

Gegründet Mitte des 19. Jahrhunderts in den USA. Erste und größte internationale Abstinenzbewegung, in der der Verzicht auf Alkohol, Drogen und Tabak Ausdruck einer humanistisch-spirituellen Lebensideologie darstellt. Dazu verstehen sich Guttempler als tolerant anderen Glaubensrichtungen und respektvoll gegenüber der menschlichen Individualität. Sie sind hierarchisch organisiert und wurden – fälschlicherweise – immer wieder dem Vorwurf des Sektentums ausgesetzt. Die Mitglieder sind nicht konfessionell gebunden, aber durchaus christlich orientiert.

Postkarte 1907: Karte vergrössern

Ritter des Templerordens (Orden der Tempelritter, einer der drei in der Hochzeit des Mittelalters gegründeten Ritterorden, die im Auftrag des Papstes des heilige Land Palästina von den Moslems und Juden befreien und in den Besitz der katholischen Kirche bringen sollten.) Entsprechend des christlichen Auftrags und der historischen Tradition der Kreuzritter wird auch auf dieser Karte der Kämpfer gegen den Alkohol als Ritter dargestellt, der, wie einst der heilige Georg, das Drachengezücht, nun den Alkohol in den Staub tritt: „Herbei, herbei! In Ost, Süd, West und Norden, Zu treuer Arbeit im Guttempler-Orden! Schon sind der Streiter viele, die es wagen, Dem Volkstyrann die Fehde anzusagen!

Karte postal. gelaufen 1907

Postkarte 1901: Karte vergrössern

I.O.G.T: Für die Liebhaber antiker, draller Schönheiten und pittoresker Sonnenaufgänge. Der Bezug zur Alkoholfrage bleibt dem Absender wie Empfänger jedenfalls auf den ersten Blick verborgen. Agitation mit - meistens leicht - bekleideten Damen (oder Harnisch bewehrten Rittersmännern) war offenbar schon immer eine beliebte Methode der Öffentlichkeitsarbeit. Dabei ist der Absenderin gleich vor Schreck die Germania-Briefmarke verrutscht.

Karte verschickt am 8. Dez.1901 von Goslar nach Wildemann (Harz).

Postkarte 1916: Karte vergrössern

I.O.G.T: Ein Engel räumt die Welt auf! Ein etwas arglos anmutendes Motiv der Guttempler offenbar für die jüngere Generation herausgegeben. Eine auch politisch interessante Karte, die 1916 als Feldpost an den Musketier Philpsen mit der Ortsbezeichnung „Im Osten“ verschickt wurde. Abgestempelt vom Postamt in Graasten (Dänemark), dass nach dem Krieg von Preußen und Österreich gegen Dänemark1864 an Schleswig/Preußen fiel und erst 1920 wieder dänisch wurde.

Karte gelaufen 1916 als Feldpost

Postkarte 1901: Karte vergrössern

Grußkarte mit I.O.G.T.-Beamten. Welche Mitgliederstärke die Guttempler um die Jahrhundertwende hatten, zeigt diese Karte, die die „Beamten der Großloge II von 1898“ zeigt. Keine andere Abstinenzgruppe hatte um diese Zeit eine derartige mitgliederstarke, hierarchisch organisierte und strukturierte Organisation. Karte postal. gelaufen 1901

Postkarte 1903: Karte vergrössern

„Erster deutscher Abstinenten-Tag -

Treffen der Gross-Logen zu Berlin am 8. 9. u. 10. August 1903“

Grußkarte aus Berlin am 9. 8.1903 nach Kiel befördert.

Postkarte 1903: Karte vergrössern

Quellwasser trinkender Jüngling

Der Versuch Wasser als gesundes, alternatives Getränk gegenüber dem Alkohol zu etablieren wurde zwar immer wieder unternommen, aber war wenig erfolgreich. Wer einmal die emotionale Transformationskraft des Alkohols gespürt und genossen hatte, für den stellte Wasser keine Alternative dar. Mit Wasser konnte man nicht zechen – auch wenn der Wasser trinkende Knabe als „kluger Zecher“ tituliert wird – geschweige denn sich betäuben oder in eine bessere Stimmung versetzen.

Postkarte 1903: Karte vergrössern

Aufschlussreich ist der Aufkleber auf der Rückseite der Karte, der auf den Guttempler-Tag 1911 verweist, der nun in Hamburg und 9 Tage länger als 1903, vom 3. – 12. Juni, stattfand.

Postkarte 1911: Karte vergrössern

„Am Abend des Lohntages“

Die Rückseite dieser Karte ist mit einem anrührenden Gedicht versehen, dass das Schicksal der Frauen ihrer alkoholkranken Männer eindrucksvoll und präzise beschreibt.

Karte postal. gelaufen 1911.

Postkarte ca. 1905: Karte vergrössern

Bierautomat. Alkoholgegnerische, ironisierende Karte, die eine automatische Bierzapfanlage darstellt, die gleichzeitig die tragischen Folgen des Alkoholmissbrauchs dokumentiert: Armut, Verbrechen, Elend, Schande, Selbstmord und - für die damalige Zeit durchaus überzeugend – Idiotismus und Epilepsie (vergl. Forel, Nr.5).

Karte beschrieben, aber nicht gelaufen, von einem Herbsttreffen der I.O.G.T. (internationaler Orden der Guttempler)

Postkarte 1910: Karte vergrössern

„Beim Bier gibt’s viel tapfere Leut`“ Eine der beliebtesten Methoden die Trinker auf’s Korn zu nehmen, bestand darin, sich über sie lustig zu machen (was aber genauso gut auch umgekehrt funktionierte). In der Kneipe schwingt der Trinker, mutig vom Alkohol geworden, die großen Reden und erschrickt sich dann über die erste beste Vogelscheuche. Viel häufiger schürte der Alkohol bei den männlichen Konsumenten jedoch Streitsucht und Aggressionen, die sich dann in wütenden Attacken gegenüber der Familie Bahn brach. Kartenserie des IOGT;

Karte postal. am 6. Mai 1910 gelaufen.

Postkarte: Karte vergrössern

„Ist der Branntwein im Manne ist der Verstand in der Kanne“. (Zitat aus Schillers Wallenstein) Originelle Darstellung dieses Spruches mit einem volltrunkenen Protagonisten und einem mahnenden Wichtel in der Synchron-Grube, dessen flüsternde Stichworte ungehört bleiben. Eine weitere von 6 Serien des IOGT gegen den Alkohol.

Karte nicht gelaufen.

Postkarte 1925: Karte vergrössern

Karte "über die „Deutschen Trinksitten“, eine von vielen Textmotiven, die ausschließlich über die rationale Erkenntnisebene versuchten Menschen für die Abstinenz zu gewinnen; ein – wie man auch damals schon hätte erkennen konnte – hoffnungsloses Unterfangen.

Karte Postal. gelaufen 1925.

Postkarte 1910: Karte vergrössern

Die Gegenwart: Eine interessante Textkarte, die erkennen lässt, wie verbreitet der Glauben an Eugenik und Rassenhygiene in allen sozialen Gruppen und Schichten war. In Anlehnung an den Satz Wilhelms II. „…nur das Volk wird obsiegen…“, treibt es ein gewisser Graf Posadowsky-Wehner auf die Spitze, indem er gegen Trinker als minderwertige Volksschädlinge polemisiert und die uneingeschränkte Rassenreinheit fordert: „Im Wettstreit der Völker wird nur dasjenige Volk obsiegen, welches die meisten breitschultrigen hellhäutigen Männer aufweist.“ Auf der Rückseite dieser Karte findet sich der bezeichnende Spruch „Es trinkt sich niemand weise!“ Ob diese Erkenntnis als Kommentar zu den vorne verkündeten, reaktionären Ideen zu verstehen ist, mag jedem selbst überlassen bleiben. Dass die Guttempler ein derartiges Gedankengut verbreitet haben, wirft allerdings kein gutes Licht auf diese Organisation.

Karte Postal. gelaufen 1910.

Postkarte 1932: Karte vergrössern

Vignette (kleiner Werbeaufkleber) des I.O.G.T für die „Deutsche Jugend“: „Meide den Rauschtrank!“; gerade die Jugend war eine spezifische und relativ erfolgreiche Zielgruppe für antialkoholische Botschaften. Das generationstypische Selbstfindungsbestreben von Jugendlichen, das mit deutlicher Abgrenzung gegenüber einer biederen und bierseligen Erwachsenenwelt verknüpft war, suchte daher nach eigenen Verhaltensmustern.

Vignette vor 1933.

Postkarte 1936: Karte vergrössern

Deutsche Jugend: Diese Karte lehnt sich in Schrifttypus und Textinhalt deutlich an die Propaganda der nationalsozialistischen Rassenpolitik und die Verherrlichung des sog. nordischen Menschentypus an (vergl. Nr.28). Sollte die Botschaft der Karte einem ev. vorauseilenden Gehorsam entsprungen sein, so hat sie jedenfalls nichts genützt. Alle Nicht-Nazi-Organisationen wurden nach der Machtergreifung der NSDAP in deren Strukturen eingepasst und gleichgeschaltet. Dass man sich allerdings durch eine unübersehbare Anpassung an die Nazi-Ideologie eine irgendwie geartete Eigenständigkeit erhoffte, war auch bei anderen Abstinenzgruppen keine Seltenheit und forderte noch nicht einmal große ideologische Verbiegungen. Im Gegenteil, entsprach diese Heroisierung des sog. arischen Menschen häufig einer ausgeprägten antisemitischen Ideologie und einer weitgehenden Übereinstimmung mit der nationalsozialistischen Rassenhygiene, ihrem Euthanasiegedanken und dem Führerprinzip (vergl. auch Kapitel zum Blauen Kreuz). Postal. nicht gelaufen, vermutlich nach 1933 erschienen.

Postkarte 1918: Karte vergrössern

Neutraler Guttempler Orden,

N.I.O.G.T. Abspaltungsbewegung mit weltlich, sozialistischer Ausrichtung, die politisch gegen das Alkoholkapital Stellung bezog und den Zusammenhang zwischen den Interessen des Alkoholkapitals und der Erhaltung der Trinksitten betont. Gegründet 1906 von schweizerischen und belgischen Guttemplern unter der Führung von A. Forel. Die christliche Orientierung mit obligatorischen protestantisch religiösen Ritualformen und verbindlichem Gottesglauben verhindere das Engagement freisinniger oder nichtprotestantischer Kreise und wirke damit hinderlich auf die Abstinenzbewegung insgesamt, so Forel.

Karte postal. gelaufen, Datum nicht mehr erkennbar, nach 1905

Postkarte 1906: Karte vergrössern

Vignette der N.I.O.G.T. Karte aus dem Gründerjahr des Alternativ-Verbandes vom 15. Sept. 1906, Königreich Bayern, Post-Ganzsache (Karte mit aufgedruckten 2 und 3 Pfennig Postwertzeichen)